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Handlungsempfehlung: Länderübergreifende Einführung eines Schulkurses Internetkompetenz


Handlungsempfehlung

Die Enquete empfiehlt den Ländern, an Schulen einen bundesweit einheitlichen Kurs einzuführen, dessen Zweck es ist, die Internet- und damit die Medienkompetenz der Schüler zu stärken. Vor dem Hintergrund, dass die heutige digitale Welt jedoch ständigen Änderungen unterliegt, erachtet die Enquete es als sinnvoll, im Kurs vor allem diejenigen Aspekte zu vermitteln, die elementare (sich auf absehbare Zeit kaum verändernde) Funktionsweisen des Netzes betreffen. Allein diese vermögen es auf Jahre hinaus als Wegbegleiter die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Zu ihnen zählt die Enquete die folgenden, eher technisch orientierten Punkte:

  • Woraus besteht das Internet? (Server, Router, Kabel) Wieso ist es dezentral aufgebaut?
  • Wem gehören die Server / die Router / die Kabel? / Wer kontrolliert sie? (Staaten, Telekommunikationsunternehmen, sonstige Unternehmen und Privatpersonen, …)
  • Worum genau handelt es sich bei der IP-Adresse? Was sind Domains? Was ist das Domain Name System (DNS)?
  • Was ist ein Protokoll? Welche Dienste gibt es abgesehen vom WWW? (Mail, Instant Messaging & Video-Telefonie, Online-Spiele, IRC, …)
  • Was bedeutet es, wenn Daten normalerweise unverschlüsselt übertragen werden?

Der Kurs sollte bei allen Betrachtungen darauf ausgerichtet sein, die eigenen Erfahrungen der Schüler zu berücksichtigen. Oben genannte Aspekte bieten dabei Anknüpfpunkte um auf Interessen, aber auch Ängste der Schüler bei der Internetnutzung einzugehen, Gefahren zu diskutieren und auch internationale Entwicklungen zu erklären:

  • Server => Einführung in Web-Publishing und Web 2.0; Einführung in Medien und die Meinungsbildung im Internet
  • Dezentralität des Internets => Welche Gefahren bestehen, wenn sich ein Großteil der Aktivität im Internet auf ein Monopol wie Facebook oder Google konzentriert? …, wenn ein Großteil der Netzinfrastruktur (Kabel, Router) in den Händen eines Monopols / eines Staates / Regimes liegt?
  • Domain Name System => Phishing, Internetsperren
  • IP => Verfolgung von (Urheber-)Rechtsverstößen im Internet; Anonymität im Internet
  • Protokolle & Dienste => Wie funktioniert ein Browser? Umgang mit und Diskussion von Software und (neuartigen) Diensten
  • Unverschlüsselte Übertragung => Überwachung und Zensur durch den Staat (Great Firewall in China, Ägypten, Tunesien, Libyen, …); Wie funktioniert Verschlüsselung? (Wie verschlüsselt man selbst seine Daten?); Übergang zum Datenschutz als eigenständigem Thema

Der Kurs sollte verpflichtend, jedoch nicht zwangsweise benotet werden, um eine spielerische und aktive Auseinandersetzung mit einer Thematik zu fördern, die inzwischen einen Großteil Jugendlichen beschäftigen dürfte. Den Einsatz des Internets und anderer Medien im Kurs, die mögliche Vermittlung über Schülervorträge, sowie den Erfahrungsaustausch in Gruppen hält die Enquete für selbstverständlich. Darüber hinaus bestünde aus Sicht der Kommission die Möglichkeit, über Kooperationen mit Unternehmen und Universitäten Experten einzuladen, die zu schwierigeren Fragestellungen Stellung nehmen und die Lehrkörper entlasten, die zweifelsohne durch entsprechende Fortbildungen zu schaffen sind.

Begründung

Die Empfehlung im Papier "Chancen interaktiver Medien", Grundkenntnisse in "Bereichen wie Web-Publishing und Social Media" zu vermitteln brachte mich auf den Gedanken, dass diese zwar sinnvoll, über die Zeit aber auch zu starken Änderungen unterliegen, als dass man damit die Medienkompetenz der heranwachsenden Generationen langfristig steigern könnte. (Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die meisten Jugendlichen die Möglichkeiten des Web-Publishing sehr schnell aneignen, wenn sie sie benötigen / sich dafür interessieren.) Was den meisten jedoch fehlt, ist ein elementares Verständnis der (technischen) Funktionsweise des Netzes. Eine Vermittlung derselben werden wir in älteren Generationen zwar kaum mehr flächendeckend schaffen, doch denke ich, dass es diese Kenntnisse sind, welche wir Kinder und Jugendlichen mit auf ihren Weg geben müssen.

On a side note: Über den Namen eines solchen Kurses lässt sich vorzüglich streiten, ebenso über die Dauer, für die der Kurs angesetzt werden soll (ein paar Wochen, ein Halbjahr, ein ganzes Schuljahr?), und den Zeitpunkt (Mittel-/Oberstufe?). Die Details sollte man aus meiner Sicht den Ländern überlassen.

Ich freue mich sehr über Vorschläge und Anregungen, insbesondere auch deshalb, weil ich im zum eher netzaffinen Teil der Bevölkerung gehöre und für mich manche Dinge vielleicht eine Selbstverständlichkeit sind, die andere ganz anders sehen. Außerdem bedürfen manche Teile mit Sicherheit noch der Straffung oder aber der Ergänzung.

Darüber hinaus ist der Vorschlag vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen entstanden. Es stellt sich natürlich die Frage, ob diese auch in ein paar Jahren noch als geeignete Beispiele herhalten können. Auf die Aktualität mancher Kursinhalte muss daher natürlich trotz der einleitenden Bemerkungen geachtet werden ("diejenigen Aspekte […] vermitteln, die elementare (sich auf absehbare Zeit kaum verändernde) Funktionsweisen des Netzes betreffen").


Diskussionen

  • empaed ist dagegen
    +1

    Ich stimme in Teilen zwar zu, (eine Vermittlung technischer Grundlagen sowie die aktive Beteiligung von Schüler/innen dabei ist wichtig), den Vorschlag jedoch, dieses Fach als eigenen Kurs einzuführen, unterstütze ich nicht.

    • Ich gebe zu, es war meine erste Idee und sie ist zugegebenermaßen die einfachste. Welche Alternativen siehst Du denn?

  • "Die Enquete empfiehlt den Ländern, an Schulen einen bundesweit einheitlichen Kurs einzuführen"

    Nur mal so gefragt, an welchen Schulen bzw. in welcher Klasse soll dieser Kurs stattfinden? Soll der Kurs in einem bestimmten Fach als zusätzlicher, überlagernder, begleitender Inhalt gestaltet sein? Soll er als zusätzlicher Kurs zum bestehenden System dazu kommen?

    Meiner Auffassung nach wäre eine Verankerung der - richtigen und wichtigen - Inhalte in den bestehenden Fächern sinnvoller, da sich hier vielfältige Anknüpfungspunkte ergeben. Da wird man aber auf keinen Fall zu einem bundesweit einheitlichen Kurs kommen. Da steht die Länderhoheit nun einmal quer vor.

    So, wie das hier steht, ist das meiner Auffassung nach zu kurz gedacht und vor allem nicht umsetzbar.

    • Zu Deinen Fragen: Ja, ich hatte an einen zusätzlichen Kurs gedacht. Darüber hinaus hatte ich bereits oben im Vorschlagstext geschrieben:

      On a side note: Über den Namen eines solchen Kurses lässt sich vorzüglich streiten, ebenso über die Dauer, für die der Kurs angesetzt werden soll (ein paar Wochen, ein Halbjahr, ein ganzes Schuljahr?), und den Zeitpunkt (Mittel-/Oberstufe?). Die Details sollte man aus meiner Sicht den Ländern überlassen.

      Das schrieb ich auch deshalb, weil der Umfang eines solchen Kurses für mich nur schwer absehbar ist, ich mit aktuellen medienpädagogischen Studien kaum bis gar nicht vertraut bin, und es im Rahmen der Enquete meines Erachtens auch gar nicht darum geht ein vollständig ausgearbeitetes Konzept zu liefern. Über (begründete) Vorschläge bzgl. der Umsetzung wäre ich nichtsdestotrotz dankbar.

      --

      Die Verbindung mit den bestehenden Unterrichtsfächern ist richtig und wichtig. (Nicht umsonst habe ich einige Anknüpfungspunkte im Text genannt.) Sie setzt allerdings voraus, dass alle Lehrer sehr gut mit dem Internet und der Technik dahinter vertraut sind (siehe die technischen Aspekte, die ich im Vorschlag aufliste). Insofern sehe ich dafür bisher noch kaum eine Möglichkeit.

      Darüber hinaus setzt eine vollständige Integration der Vermittlung von Medien-/Internetkompetenz in die bestehenden Fächer das Ziel aufs Spiel, den Schülern vor allem auch technische Grundlagen zu vermitteln. Nicht nur, weil die Lehrer dafür nicht ausgebildet sind, sondern auch, weil die bestehenden Unterrichtsfächer andere Ziele verfolgen und die Zeit für den Stoff bereits jetzt kaum ausreicht, wenn man sich die G8-Reformen vor Augen führt. Außerdem sollte es das erklärte Ziel sein, eine spielerische und auf Erfahrungen und Meinungsaustauch setzende Auseinandersetzung ohne Notendruck zu fördern. Ich sehe keine Möglichkeit, wie man das in den bestehenden Fächern erfolgreich umsetzen könnte.

      Zum Bildungsföderalismus: Vielleicht führen wir die Diskussion weiter unten fort?

  • Es ist auf jeden Fall notwendig, Medienkompetenz im Schulunterricht eine zentrale Rolle zuzuweisen, möglichst als eigenes Fach.

    Mir macht an dem Vorschlag in der jetzigen Form jedoch Sorgen, daß er erstens von der Bundesebene aus direkt in die Gestaltung des Schulunterrichts eingreifen will, die mit Recht Ländersache ist; und daß er dabei auch noch sehr spezielle Vorgaben für die Gestaltung des Kurses macht, die zwar durchaus überzeugend sind, aber Lehrer ungewöhnlich stark binden und außerdem drohen, schneller obsolet zu werden, als ein entsprechendes Gesetz vermutlich revidiert wird.

    Wäre es eine denkbare Alternative, die Ausgestaltung den Ländern zu überlassen und die Einführung des Fachs auf Bundesebene durch Bereitstellung entsprechender Mittel zu fördern?

    • Ich bemerke, dass Sie im Gegensatz zu mir ein Befürworter des Bildungsföderalismus zu sein scheinen. Wäre es aber nicht denkbar, dass die Länder auf Initiative bzw. unter Vermittlung des Bundes einen Staatsvertrag über einen entsprechenden Schulkurs / ein Unterrichtsfach in Medien-/Internetkompetenz abschließen? Wir dürfen nicht vergessen, dass die Enquete eine Kommission des Bundestages ist. Handlungsempfehlungen an die Länder scheinen mir da nur wenig sinnvoll zu sein. Nichtsdestotrotz können wir das Grundgesetz natürlich nicht einfach aushebeln. Man müsste schon eine verfassungskonforme Lösung finden.

      Zu den Vorgaben: Ich halte gerade die wesentlichen Punkte, die im Vorschlag genannt werden, eher für zeitlos. Nicht umsonst schlage ich vor "im Kurs vor allem diejenigen Aspekte zu vermitteln, die elementare (sich auf absehbare Zeit kaum verändernde) Funktionsweisen des Netzes betreffen". An welchen Stellen sehen Sie denn Probleme?

      Die von Ihnen vorgeschlagene Alternative halte ich auf den ersten Blick für weniger zweckdienlich (aber nichtsdestotrotz für diskussionswürdig). Und zwar aus folgenden Gründen:

      • Die parallele, nicht gemeinsame Ausarbeitung von Inhalten in den Kultusministerien der Länder würde zu unterschiedlichen Rahmenplänen, unterschiedlichen Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrer und damit weiteren Inkompatibilitäten zwischen den Bildungssystemen führen.
      • Damit verbunden ergeben sich bei einer reinen finanziellen Förderung durch den Bund deutlich höhere Kosten für selbigen.
      • Auf sich neu ergebende mediale und kommunikative Möglichkeiten durch den technischen Fortschritt im Netz kann so nur schwerer (langsamer) reagiert werden. Eine Vereinheitlichung würde vermutlich zu weniger Arbeitsaufwand für alle Beteiligten führen; Unterrichtsmaterialien könnten an zentraler Stelle hergestellt werden.
      • Wenn jedes Land sein eigenes Süppchen kocht, besteht die Gefahr der Verwässerung der eigentlichen Ziele.

      Aber bevor das in eine allgemeine Diskussion über die Vor- und Nachzüge des Bildungsföderalismus ausartet, könnte ich mir Ihren Vorschlag notfalls auch als Kompromiss vorstellen.

      aber Lehrer ungewöhnlich stark binden

      Was genau meinen Sie damit? Der Text schlägt schließlich auch die Einbeziehung von Experten vor um die Lehrer zu entlasten.

Versionen


  • 1 Handlungsempfehlung
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    3 Die Enquete empfiehlt den Ländern, an Schulen einen
    4 bundesweit einheitlichen Kurs einzuführen, dessen Zweck es
    5 ist, die Internet- und damit die Medienkompetenz der
    6 Schüler zu stärken. Vor dem Hintergrund, dass die heutige
    7 digitale Welt jedoch ständigen Änderungen unterliegt,
    8 erachtet die Enquete es als sinnvoll, im Kurs vor allem
    9 diejenigen Aspekte zu vermitteln, die elementare (sich auf
    10 absehbare Zeit kaum verändernde) Funktionsweisen des Netzes
    11 betreffen. Allein diese vermögen es auf Jahre hinaus als
    12 Wegbegleiter die Medienkompetenz der Kinder und
    13 Jugendlichen zu stärken. Zu ihnen zählt die Enquete die
    14 folgenden, eher technisch orientierten Punkte:
    15
    16 * Woraus besteht das Internet? (Server, Router, Kabel)
    17 Wieso ist es dezentral aufgebaut?
    18 * Wem gehören die Server / die Router / die Kabel? / Wer
    19 kontrolliert sie? (Staaten, Telekommunikationsunternehmen,
    20 sonstige Unternehmen und Privatpersonen, ...)
    21 * Worum genau handelt es sich bei der IP-Adresse? Was sind
    22 Domains? Was ist das Domain Name System (DNS)?
    23 * Was ist ein Protokoll? Welche Dienste gibt es abgesehen
    24 vom WWW? (Mail, Instant Messaging & Video-Telefonie,
    25 Online-Spiele, IRC, ...)
    26 * Was bedeutet es, wenn Daten normalerweise unverschlüsselt
    27 übertragen werden?
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    29 Der Kurs sollte bei allen Betrachtungen darauf ausgerichtet
    30 sein, die eigenen Erfahrungen der Schüler zu
    31 berücksichtigen. Oben genannte Aspekte bieten dabei
    32 Anknüpfpunkte um auf Interessen, aber auch Ängste der
    33 Schüler bei der Internetnutzung einzugehen, Gefahren zu
    34 diskutieren und auch internationale Entwicklungen zu
    35 erklären:
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    37 * **Server** => Einführung in Web-Publishing und Web
    38 2.0; Einführung in Medien und die Meinungsbildung im
    39 Internet
    40 * **Dezentralität des Internets** => Welche Gefahren
    41 bestehen, wenn sich ein Großteil der Aktivität im Internet
    42 auf ein Monopol wie Facebook oder Google konzentriert?
    43 * **Domain Name System** => Phishing, Internetsperren
    44 * **IP** => Verfolgung von (Urheber-)Rechtsverstößen im
    45 Internet; Anonymität im Internet
    46 * **Protokolle & Dienste** => Wie funktioniert ein
    47 Browser? Umgang mit und Diskussion von Software und
    48 (neuartigen) Diensten
    49 * **Unverschlüsselte Übertragung** => Überwachung und
    50 Zensur durch den Staat (Great Firewall in China, Ägypten,
    51 Tunesien, Libyen, ...); Wie funktioniert Verschlüsselung?
    52 (Wie verschlüsselt man selbst seine Daten?); Übergang zum
    53 **Datenschutz** als eigenständigem Thema
    54
    55 Der Kurs sollte verpflichtend, jedoch nicht zwangsweise
    56 benotet werden, um eine spielerische und aktive
    57 Auseinandersetzung mit einer Thematik zu fördern, die
    58 inzwischen einen Großteil Jugendlichen beschäftigen dürfte.
    59 Den Einsatz des Internets und anderer Medien im Kurs, die
    60 mögliche Vermittlung über Schülervorträge, sowie den
    61 Erfahrungsaustausch in Gruppen hält die Enquete für
    62 selbstverständlich. Darüber hinaus bestünde aus Sicht der
    63 Kommission die Möglichkeit, über Kooperationen mit
    64 Unternehmen und Universitäten Experten einzuladen, die zu
    65 schwierigeren Fragestellungen Stellung nehmen und die
    66 Lehrkörper entlasten, die zweifelsohne durch entsprechende
    67 Fortbildungen zu schaffen sind (hierauf könnte man sicher
    68 noch genauer eingehen).
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